Geomarketing
Big Data und die Digitalisierung sind zwei erkennbare Trends. Aber was genau soll mit den gewonnenen Daten angefangen werden?
Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Bedeutung von Geodaten und somit des Geomarketings in nahezu jedem Wirtschaftszweig kontinuierlich zunimmt. Grund für diesen Trend sind unter anderem die Unmengen an Daten mit räumlichem Bezug (Geodaten) sowie die stetig wachsende Nachfrage an Geoanalysen zur Optimierung verschiedenster Geschäftsprozesse. Dies steigert wiederum den Bedarf, die vorhandenen Datenmengen mittels geeigneter Softwarelösungen und Analysen auszuwerten, um einen maximalen wirtschaftlichen Nutzen generieren zu können.
Gerade bei Betrachtung der aktuellen Trends der Digitalisierung, wie Big Data und IoT, fällt auf, dass in den dadurch generierten Datenmengen ein riesiges Potenzial steckt. Ein Potenzial, dessen sich jeder Unternehmer bewusst sein sollte. Meist ist jedoch nicht ganz klar, wie dieses Potenzial genutzt werden kann. Oftmals fehlt es an Know-How und Ressourcen, um aus den gewonnenen Datenmengen gezielt strategische und operative Maßnahmen ableiten zu können. Folgende Abbildung stellt die drei Schlüsselressourcen des Geomarketings dar. Das Zusammenspiel dieser Ressourcen ist für einen erfolgreichen Einsatz des Geomarketings unabdingbar.
Die Schlüsselressourcen des Geomarketings
Grundlegendes
Das Geomarketing ist eine Teildisziplin des klassischen Marketings. Unternehmens-, Kaufkraft- oder Demographiedaten werden in einen geographischen Bezug gesetzt und somit zu Geodaten. Räumliche Zusammenhänge werden somit leichter ersichtlich und können unternehmerisches Handeln maßgeblich unterstützen. Durch die Zusammenführung von internen Unternehmensdaten und externen Daten mit dem geographischen Raum ergeben sich diverse Anwendungsgebiete. So lässt sich beispielsweise die Frage „Wer ist mein Kunde?“ um die Fragestellung „Wo befindet sich mein Kunde?“ erweitern.
Erweiterung des klassischen Marketing-Mix um den Einflussfaktor "Wo?".
Durch das Geomarketing wird der Markt für ein Unternehmen transparenter. Mit den Erkenntnissen aus dem Geomarketing, lässt sich das unternehmerische Handeln besser an die reale Welt anpassen. Prinzipiell nutzt das Geomarketing unter anderem die Erkenntnis, dass Personen aufgrund der Tatsache, dass sie sich an einem bestimmten Ort aufhalten oder ein bestimmtes Lebensumfeld wählen, mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmte Interessen haben. Die Verwendung räumlicher Informationen wird somit auch vielmals dazu verwendet, um mit den richtigen Zielgruppen am richtigen Ort in Kontakt zu treten.
Fachliches
Durch die Erweiterung des klassischen Marketing-Mix um den räumlichen Einflussfaktor, gewinnt der Anwender des Geomarketing verschiedenste neue Erkenntnisse. So erfährt er,…
Der Mehrwert für den Marketing-Mix durch das Geomarketing.
Das Geomarketing ist sehr vielschichtig. So lässt sich das Geomarketing an verschiedenste Anwendungsgebiete anpassen. Aus diesem Grund findet das Geomarketing in nahezu jedem erdenklichen Wirtschaftszweig Verwendung. Die unterschiedlichen Unternehmensbereiche können von den Einsatzmöglichkeiten des Geomarketings profitieren. Es fungiert dabei als…
Damit ist die Verfolgung und Umsetzung spezifischer Ziele, wie beispielsweise das Steigern der Marktpräsenz eines Unternehmens, möglich. Ferner kann die strategische und operative Aufstellung des Unternehmens durch das Geomarketing in effektiver und kostensparender Weise unterstützt werden.
Die Grundlage des Geomarketings wird durch räumliche Strukturen gebildet. Diese beschreiben inhaltlich jede räumliche Ebene, was beispielsweise Postleitzahlgebiete oder Straßenabschnitte sein können. In Deutschland gibt es drei grundlegende räumliche Strukturen:
- Administrative Strukturen (z. B.: Landkreise)
- Postalische Strukturen (z. B.: PLZ-Gebiete)
- Nicht-amtliche Strukturen (z. B.: KGS16-Gebiete).
Damit das Geomarketing aussagekräftige Analysen liefern kann, reicht allein die Betrachtung der räumlichen Strukturen meist nicht aus. Erst wenn die räumlichen Strukturen zusammen mit spezifischen Geodaten in einem Geoinformationssystem in Verbindung gebracht werden, können aussagekräftige Geoanalysen entstehen.
Geschichte
Der Begriff des Geomarketings kam erst in den frühen 1990ern auf. Doch die Wurzeln dessen reichen bis 1952 zurück. Damals veröffentlichte die GfK die ersten Kaufkraftkarten zusammen mit Absatz- und Verbrauchspotenzialen von der Bundesrepublik Deutschland. Die für die heutige Zeit wohl eher als primitiv geltenden Karten waren für die damalige Zeit große Planungshilfen.
Durch die Entwicklung der Computer in den 1970ern wurde die Verarbeitung, Analyse und Verwaltung von großen Datenbanken beschleunigt. So konnten aus riesigen Firmendaten-Tabellen mit relativ wenig Zeitaufwand Adressen geocodiert und zielgerichtet ausgewertet werden. Der Fortschritt des Geomarketings ist daher eng mit dem technischen Fortschritt verwoben. Vor allem die Geoinformationssysteme profitieren von der technischen und sozialen Entwicklung der Computer und der Digitalisierung. Mit der Einführung der Personal Computer änderte sich die allgemeine Situation, wie und wo Geoinformationssysteme verwendet werden konnten. Bis dato wurden geographische Analysen von spezialisierten Unternehmen mittels Großrechnern und unter Verwendung von immensen Ressourcen angeboten und erstellt.
Spätestens mit der Einführung von Microsoft Windows 95 brach die Zeit der Desktop-Mapping-Programme an. Anbieter wie ESRI oder PTV erkannten schnell dieses Potenzial. Zuvor fanden solche Programme meist nur in Umweltplanungen und im Katasterwesen Verwendung. Es entwickelten sich im Laufe der Jahre diverse Geoinformationssysteme, welche nun direkt in den Unternehmen wie z.B. im Marketing oder Vertrieb verwendet werden konnten.
Fazit
Heute hat sich Geomarketing vor allem bei Großunternehmen, aber auch bei vielen mittelständigen Unternehmen durchgesetzt. Grundsätzlich gilt hierbei die Faustregel: Je größer und globaler ein Unternehmen agiert, desto größer ist der Nutzen des Geomarketings. Leider kennen noch nicht viele Unternehmen den enormen Mehrwert des Geomarketings. Denn eine vollständige Integration des Geomarketings in interne Firmenprozesse ist mit hohen Kosten verbunden, was für Unternehmer abschreckend wirkt. Viele Unternehmen nehmen daher Beratung von auf Geoconsulting spezialisierte Unternehmen in Anspruch. Diese können die benötigten Daten, Infrastrukturen und die Expertise mit Leichtigkeit zur Verfügung stellen.